Weihnachten einmal anders….

….Oder wie die Wohnzimmerglückliche, nach bald drei Jahrzehnten, Weihnachten einmal anders verbringt.

Vorab will gesagt sein: Mir ist meine Weihnachtsstimmung abhandengekommen! Ich habe keine Ahnung, wo sie hin ist, klar ist nur: Sie ist weg. Spurlos verschwunden. Und das, obwohl ich wirklich sehr intensiv nach ihr gesucht habe. Auf Weihnachtsfeiern, am Christkindlmarkt, beim lauthals mitkrähen diverser Weihnachtslieder und natürlich beim Backen der Weihnachtskekse. Für mich, als bekennende Weihnachtsliebende, ist das ein ganz grauenhafter Zustand, dem es zu Leibe zu rücken gilt.

Also den Weihnachtsbaum eingeschaltet, Weihnachtslieder laut aufgedreht und ran ans Keksbacken. Aber auch da: NICHTS. Nicht einmal ein Hauch von Weihnachten. Es ist doch wirklich zum Heulen. Ob es an dem fiesen, viel zu warmen Wetter liegt? Oder daran, dass ich schon im September all meine Weihnachtlichkeit ausgelebt habe?! Oder daran, dass ich nach 777 Keksen im November jetzt so überhaupt keine Lust mehr habe zu backen? Was auch immer es auch sein mag: So leicht lässt man sich als weihnachtsliebende Wohnzimmerglückliche nicht unterkriegen und es wird trotzdem gebacken, als ob es nächstes Jahr Weihnachten nicht mehr gäbe

Hat alles nicht geholfen! Dass jetzt tatsächlich Weihnachten ist, lässt sich bis jetzt nur daran erkennen, dass wir alle viel zu viel essen und in sentimentale Gespräche verfallen. Die Tatsache, dass ich, das erste Mal seit 29 Jahren, nicht bei meiner Familie bin, trägt sicher auch dazu bei, dass ich mich nicht gerade sehr weihnachtlich fühle. Schon komisch, wie man das dann doch alles gerne genau so hätte, wie man es kennt. Sogar die Sachen, die einem seit Jahren eher auf den Keks gehen als sonst was. Aber trotz alledem war es ein sehr Schönes, wenn auch ganz anderes Weihnachten als ich das so gewohnt bin. Was aber offenbar an Weihnachten stimmt: Die Menge macht’s. Die Menge an Menschen, die in mehr oder weniger freudiger Vorbereitung herumwuseln, noch im letzten Moment Geschenke basteln, verpacken, Karten schreiben. Die Menge an vertrauten Gesichtern, die andächtig den Weihnachtsbaum betrachten, singen und sich die Wampen vollstopfen. Die Menge an Menschen, die einem auch ganz gehörig auf die Nerven gehen können, die man aber so unheimlich lieb hat, dass es fast nicht auszuhalten ist. In einem Wort: Familie.

Was aber gegen all die Unweihnachtlichkeit im Vorfeld und auch das kleine bisschen Heimweh zum Fest hilft: Weihnachtskekse. Dieses Jahr habe ich, weil ja eigentlich keine Lust zu backen, nur ein paar Sorten gemacht und dabei drei Sorten kreiert, die mir besonders gut schmecken.

So hübsch kann Resteverwertung sein… wer keine Lust mehr hat den letzten Rest zum hundertsten Mal auszurollen, um noch ein paar Schneeflocken zu bekommen, oder von Anfang an keine Lust hat auf Ausstechen, der macht am besten einfach diese hübschen Kekse

Es grüßt, ganz weihnachtlich und bis zum Bersten vollgemampft,

die Wohnzimmerglückliche


Zutaten

Schoko-Ingwer-Schneeflocken

  • 250 g Mehl
  • 125 g Sanella
  • 125 g Zucker
  • 1 Ei
  • 4 El Kakao
  • 2 Tl Schoko-Ingwer-Zucker (Schuhbeck)

Hot&Spicy-Schneeflocken

  • 250 g Mehl
  • 125 g Sanella
  • 125 g Zucker
  • 1 Ei
  • 2 Tl Hot&Spicy-Zucker

Zubereitung

Alle Zutaten rasch zu einem glatten Teig verkneten. Mindestens 2 Stunden kaltstellen. Teig circa 4mm dick ausrollen, verschiedene Schneeflocken ausstechen, bei 170 Grad Ober/Unterhitze circa 12 Minuten backen. Aus dem Backofen nehmen, gleich auf ein Kuchengitter ziehen und vollständig auskühlen lassen.

Den letzten Rest der beiden Teige habe ich, weil keine Lust noch mehr auszustechen, ausgerollt und übereinandergelegt. Dann aufgerollt und in Scheiben geschnitten. Bei 170 Grad Ober/Unterhitze circa 15 Minuten gebacken. Und dabei einen hervorragenden Keks erfunden. Die schmecken nämlich nicht nur sehr lecker, sondern sind auch sehr schnell gemacht und sehen hübsch aus.

Aus dem Schoko-Ingwer-Teig lassen sich auch ganz wunderbare Nugat-Herzen backen. Herzen (ca. 5 cm Durchmesser) ausstechen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und mit gehobeltem Nugat belegen. Mit einem zweiten Herz belegen und an den Rändern leicht andrücken. Dann bei 180 Grad Ober/Unterhitze circa 13 Minuten backen. Auf ein Kuchengitter legen und auskühlen lassen.

Nach belieben können die Kekse mit Kuvertüre verziert werden.

Anisle…

…oder warum ich wirklich ganz unbedingt eine Küchenmaschine brauche.

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Schon als Kind habe ich die Aniskekse meiner Oma geliebt. Jedes Jahr im Dezember hat sie diese Sorte fast ausschließlich für mich gemacht. Denn ich war die einzige, die die Kekse zu Weihnachten mit voller Hingabe gemampft hat. Hat es Aniskekse gegeben, konnten mir alle anderen Kekse gestohlen bleiben. Und irgendwie, warum auch immer, ist Anis bei den meisten Leuten nicht sonderlich beliebt, wenn er auf einem Keks daherkommt. Mir soll’s mehr als recht sein, so bleibt immerhin mehr für mich selber übrig und die ganzen Banausen wissen nicht, was sie verpassen.

Die „Anisle“, wie sie bei uns liebevoll genannt wurden, selber zu backen habe ich mich bis jetzt aber noch nie getraut. Erstens, weil die Oma schon immer gesagt hat, dass die nicht so einfach hinzubekommen sind – und wenn die Oma was schwierig fand, dann kann es auch wirklich nur schwierig sein. Immerhin war meine Oma die Meisterin des Backens! Und dieses typischen Füßchen, ohne das die Kekse wirklich nicht die Richtigen sind, hinzubekommen ist wahrscheinlich wirklich eine Herausforderung. Zweitens, weil ich ein bisschen Angst davor habe, dass die Kindheitserinnerung mit dem eigenen Backversuch so gar nicht zusammenpassen wird.

Aber, da Angst und Schwierigkeiten gerade zielstrebig überwunden werden wollen, sind die Anisle nun das nächste Projekt aus Omas Sammelsurium. Ich hoffe, dass sie genau so schmecken wie damals. Denn sonst habe ich gerade umsonst eine halbe Stunde lang gemixt als ginge es um Leben und Tod. Und das ist mit dem Handmixer ziemlich mühsam und ich bin jetzt, noch viel mehr als sowieso schon davor, der Meinung, dass ich unbedingt eine Küchenmaschine brauche. Dann würde ich jetzt beim Tippen vielleicht nicht so zittern, weil meine Arme völlig erschöpft sind. Ja ich weiß, das ist wieder einmal ein klein wenig übertrieben. Und doch brauche ich einfach ganz dringend eine Küchenmaschine. Wirklich. Eine, die viel Teig schaffen kann und auch bei ständigem Einsatz nicht aufgibt und lange hält. Falls zufällig jemand das Bedürfnis hat, so eine loszuwerden, immer her damit. Denn vor lauter Arm-Erschöfpung hätte ich die Anisle kaum auf die Bleche dressieren können. Da verbringen sie jetzt nämlich die Nacht und bekommen hoffentlich – gaaaaanz fest Daumen drück – ihre Füßchen! Und morgen heisßt es früh aufstehen um die Anisle zu backen. Was tut die Wohnzimmerglückliche nicht alles, sogar früh aufstehen, um ein Keksprojekt zu erfüllen.

Und, wie man schön sehen kann, hat das genau gepasst und die Anisle haben Füßchen und die perfekte Konsistenz.

Was sich auch nicht geändert hat: ich würde sie am liebsten alle auf einmal aufessen, so gut schmecken sie mir. Und ganz genau so wie damals als Kind.

Es grüßt, ganz unweihnachtlich und mit zitternden Armen,

die Wohnzimmerglückliche


Zutaten

  • 3 Eier
  • 250 g Zucker
  • 250 g Mehl
  • 1 Packung Vanillezucker
  • Aniskörner

Zubereitung

Zucker und Eier 1/2 Stunde schlagen, hält man sich  nicht daran, dann werden die Anisle nicht so wie sie sein sollten! Da ist jeder Küchenmaschinenbesitzer ganz klar im Vorteil. Mehl vorsichtig unterheben. Die Masse in kleinen Häufchen auf mit Backpapier belegtes Blech setzen und über Nacht trocknen lassen – so ergibt sich das typische Füßchen. Langsam backen. Was dieses Langsam backen genau bedeutet, hoffe ich herauszufinden.

Ich habe mich für 150 Grad Ober/Unterhitze und circa 15 Minuten backen entschieden. Was bei meinem Backofen wohl genau richtig ist.

1000 Kekse in 7 Tagen…

…oder wie die Wohnzimmerglückliche einen Großauftrag bewältigt.

Vorab will gesagt sein, dass die Wohnzimmerglückliche Urlaub hatte und deshalb hier so lange nichts passiert ist. Nach dem vielen Backen, der überwältigenden Dosis an Familie und alten Freunden, war das auch wirklich nötig. Einfach einmal nichts tun. Aber jetzt zurück zur Keksgeschichte des Jahres und all ihren Begleiterscheinungen.

Den Anfang der Geschichte macht der Papa: Wenn der liebste aller Papas sein neues Geschäft eröffnet und seine Tochter darum bittet einen wohnzimmerglücklichen Beitrag dazu zu leisten, gibt es hier im Wohnzimmer kein Halten mehr. Da werden die wildesten Pläne geschmiedet. Angefangen von aufwändigen Kuchenbuffets mit lauter kleinen Törtchen bis hin zur festlichen Kuchentafel mit aufwändigen Torten.

Wenn die Veranstaltung dann aber in Reichweite rückt, es mit dem Urlaub nicht klappt und der Papa verkündet, dass er 300 Leute eingeladen hat, wird es leicht chaotisch. Vor allem in meinem Kopf. Da zerplatzen die Torten- und Törtchenträume ziemlich schnell und werden durch Keksträume ersetzt. Die kann man besser vorbereiten und dann von München nach Vorarlberg transportieren. Also Plan B sozusagen. Aber da ist ja immer noch die Sache mit der Menge… Wie nur, soll man in einer kleinen Küche so viele Kekse backen? Und noch viel wichtiger, wie und wo sollen die gelagert werden? Und wie soll das alles in sieben Tagen zu schaffen sein? Fragen über Fragen…

Nach dem ersten, ganz kurzen, Anflug von Überschnappung werden die Gedanken zurechtgeschüttelt, das Karussell im Kopf gebremst und ein Plan erstellt. Gedacht, getan. Die Sorten stehen fest, ein Backplan ist erstellt, die Lagerungsfrage beantwortet (Schuhkartons mit Alufolie ausgelegt) und wenn alles nach Plan läuft, dann gibt es in einer Woche acht verschiedene Sorten Kekse. Weil das so ein großes Projekt ist und ich in meinem Kopf ein wenig Struktur brauche – sonst fängt das Karussell gleich wieder an sich wie wild zu drehen – gibt es hier einen täglichen Bericht.


Tag 1

Die Schuhschachteln sind organisiert. Kiloweise Butter, Mehl, Zucker und allerhand andere Backzutaten wurden ins Wohnzimmer geschleppt – für 1000 Kekse braucht man eine ordentliche Menge Zutaten. Und die ersten beiden Sorten sind auch schon in Arbeit. Als erstes habe ich Cantuccini gebacken, aber nicht die allerwelts Variante, sondern mit Limette und weißer Schokolade. Da wollte ich schon beim Backen einen Caipi trinken – das hab ich aber sein lassen, denn sonst wäre das mit dem Backplan für Tag 1 hinfällig geworden.

Da die so schnell fertig waren, und weil der Wohnzimmerglückliche zum Helfen verdonnert wurde, habe ich auch gleich noch den Teig für tropische Orangenkekse gemacht. Ob sich da unterbewusst die Sehnsucht nach Urlaub widerspiegelt? Bei den ganzen exotischen Zutaten…:) Wahrscheinlicher ist, dass ich die Kekse so unweihnachtlich wie möglich gestalten möchte. Denn es sollen eben „Juhu, jetzt fängt eine neue Ära an“ Kekse werden… :) Ein wenig Theatralik hat ja bekanntlich noch nie geschadet.

Fazit des heutigen Tages: 194 Cantuccini sind schneller gemacht, als man glauben würde. Die Finger aber auch schneller verbrannt, wenn man nur zwei Bleche hat und mit denen waghalsig jongliert. Und Heißluft ist nicht des Rätsels Lösung.

Es grüßt vergnügt, mit zu viel Keksteig im Bauch,

die Wohnzimmerglückliche

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Zutaten

  • 200 g Sanella
  • 800 g Zucker
  • 6 Eier
  • 2 El Limettenabrieb
  • 2 El Limettensaft
  • 400 g geriebene Mandeln
  • 400 g gestiftelte Mandeln
  • 1 kg Dinkelmehl
  • 300g weiße Kuvertüre – gehackt

Zubereitung

Sanella, Zucker und Eier cremig rühren. Limettensaft, Limettenabrieb unterrühren. Nach und nach Mandeln und Mehl unterkneten. Dazu am besten zuerst mit den Knethaken des Handmixers so lange kneten, bis es nicht mehr geht, dann mit den Händen weiterkneten und zum Schluss die Kuvertüre unterkneten.

Den Teig in vier gleiche Teile aufteilen und zu vier Laiben (circa 30cm lang) formen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und bei 180 Grad (Ober/Unterhitze) 30 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen, mit dem Backpapier auf ein Gitter ziehen und komplett auskühlen lassen. Anschließend in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden, einzeln auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und nochmal 20 Minuten backen. So werden die Cantuccini richtig schön knusprig. Auf einem Tortengitter vollständig auskühlen lassen und dann in Keksdosen oder eben Schuhschachteln aufbewahren. Die Cantuccini halten sich circa vier Wochen und werden mit jedem Tag besser.


Tag 3

Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich, wo Tag 2 geblieben ist… Tja, das ist eine abenteuerliche Geschichte. Um 16:00 wie von der Tarantel gestochen aus dem Büro, noch schnell zum Edeka um die vergessenen Zutaten zu kaufen, und dann nichts wie ab nach Hause um zwei Sorten Kekse backen zu können. Das war der ursprüngliche Plan.

Als ich dann vor der Haustüre verzweifelt den Inhalt meiner Handtasche um mich geworfen habe, in der Hoffnung, dass der Schlüssel geschrumpft ist und sich irgendwo unter dem letzten Papierschnipsel verborgen hält, war mir klar: das wird heute nichts mehr. Der Schlüsseldienst konnte mir leider auch nicht helfen und der Wohnzimmerglückliche – mit Haustürschlüssel – war leider knappe drei Autostunden entfernt… Da standen sich nun der Tobsuchtsanfall und die Möglichkeit gelassen zu bleiben gegenüber… Ich habe mich für Gelassenheit entschieden und bin zu unserem Lieblingsvietnamesen gegangen. Essen hat schließlich noch immer geholfen. Vor allem in aussichtslosen Situationen!

Glücklicherweise hatte ich, in weiser Voraussicht, den Teig für die Orangenkekse schon vorbereitet, also war der Zeitverlust nicht ganz so schlimm. Es konnten immerhin noch 170 Orangenplätzchen gebacken werden. Eigentlich ja 176. Auf mir unerklärliche Weise sind ein paar davon in unseren Mägen gelandet – sofortige Quatlitätskontrolle quasi.

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Zutaten

  • 400 g Sanella
  • 360 g Zucker
  • 2 El tropischer Vanillezucker (gibt’s beim Schuhbeck)
  • 2 Tl Orangenabrieb
  • 3 Tl Vanille-Zimt-Zucker (selbstgemacht)
  • 1 Tl Salz
  • 2 Eier
  • 640 g Mehl
  • Hagelzucker

Zubereitung

Sanella, Zucker, Vanillezucker, Orangenabrieb, Zimtzucker cremig rühren. Die Eier kurz unterrühren. Mehl sieben und unterheben. Den Teig zu einer Kugel formen und mindestens 30 Minuten kalt stellen.

Den Teig vierteilen und in circa 40 cm lange Rollen formen. Es ergeben sich circa 5 Teigrollen. Diese in Hagelzucker rollen, in Frischhaltefolie wickeln und nochmals circa zwei Stunden kalt stellen. Die Rollen in circa 1cm dicke Scheiben schneiden, mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und nach belieben mit Hagelzucker bestreuen. Nacheinander auf der mittleren Schiene bei 200 Grad Ober/Unterhitze, circa 12-15 Minuten goldbraun backen. Auf einem Tortengitter vollständig auskühlen lassen und dann in Keksdosen oder eben Schuhschachteln aufbewahren. Die Orangenkekse halten sich circa zwei bis drei Wochen.


Somit liege ich noch voll im Zeitplan und kann jetzt, bevor ich mich an die Linzerschnitten wage, noch in Ruhe schreiben und einen Kaffee genießen. Man schätzt die eigenen vier Wände auf einmal viel mehr, wenn man sich tags zuvor, unabsichtlich, den Zugang dazu verwehrt hat. Der aktuelle Keksbestand liegt bei 364, die Wohnung riecht wie eine Keksfabrik und ich habe, wohl zum Ausgleich des miesen Karmas von gestern, heute doch noch den „Glückskeks“ Stempel bekommen. Seit kurzem bin ich nämlich ein wahrer Keks-stempel Fan, aber dazu später mehr.

Die ersten Linzerschnitten meines Lebens und ich muss unentwegt an die Steiermark-Oma denken. Wie schafft sie das nur, dass die so hübsch aussehen und das „Gitter“ so schön gleichmäßig ist?? Das muss ich sie am Donnerstag fragen. Denn, zu meiner großen Freude, kommt die Oma auch zur Eröffnung. Vielleicht sollte ich jetzt auch endlich einmal schreiben, was denn da eigentlich eröffnet wird. Also: Der Papa, der eröffnet einen GEA Laden in Rankweil. Wenn ihr mal in der Nähe seid und gute Schuhe, Möbel und noch bessere Beratung braucht, dann schaut einfach vorbei. Der Papa, der würde sich bestimmt freuen :)

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Zutaten

  • 2 Eier
  • 250 g Mehl
  • 200 g ungeschälte, gemahlene Mandeln
  • 1/2 Tl Backpulver
  • 1 Msp. gemahlener Zimt
  • 2 Msp. gemahlene Nelken
  • 1 Prise Salz
  • 150 g Zucker
  • 250 g Sanella
  • 2 Tl Orangenabrieb
  • 300 g Johannisbeergelee

Zubereitung

1 Ei trennen. Mehl mit dem Backpulver vermischen, in eine Schüssel sieben. Zimt, Nelken, Salz, Zucker, Sanella, 1 Ei und 1 Eigelb zugeben und mit den Knethaken des Handmixers zu einem glatten Teig verkneten. 2/3 des Teigs auf einem Bogen Backpapier ausrollen und auf ein Backblech legen. Mehrmals mit einer Gabel einstechen. Den restlichen Teig zwischen zwei aufgeschnittenen Gefrierbeuteln 3mm dick ausrollen. Beides mindestens 30 Minuten kalt stellen.

Den Teig auf dem Blech bei 180 Grad Ober/Unterhitze auf mittlerer Schiene 15 Minuten backen. Sofort nach dem Backen mit dem Eiweiß bestreichen. Dabei darauf achten, dass das Eiweiß gleichmäßig verteilt ist und nur dünn aufgetragen wird. Während das Blech im Ofen ist, den restlichen Teig in 15 cm breite Streifen schneiden und nochmals kalt stellen. Das Johannisbeergele in einem Topf kurz aufkochen und mit dem Orangenabrieb verrühren. Gelee gleich nach dem Eiweiß gleichmäßig auf dem Teig verteilen. Dei Teigstreifen diagonal zum Blech – 1 cm Abstand – über das Gelee legen. Bei 180 Grad Ober/Unterhitze 15-18 Minuten backen. Vollständig auskühlen lassen, in gleichmäßige Streifen schneiden und mit Puderzucker bestäuben. Die Linzerschnitten halten sich circa vier Wochen.

Es grüßt, völlig erschöpft und ziemlich zufrieden,

die Wohnzimmerglückliche (Aktueller Keksbestand: 506!)


Tag 4

Sodala, nachdem ich heute, der senilen Bettflucht sei Dank, schon um 8:00 aus den Federn gekrabbelt bin ist schon viel erledigt. Dabei ist es erst 12:35. Sehr ungewöhnlich für Allerheiligen, scheint hier die Sonne vom strahlend blauen Himmel und leider auch in unsere total verdreckten Fenster. Man kann so etwas als wohnzimmerglücklicher Mensch, der so lange es hell ist in der Arbeit ist, recht lange ignorieren. Oder besser gesagt, verdrängen. Aber wenn man frei hat und in der Früh von einer dreckigen Fensterfront begrüßt wird, dann reichts. Also schnell noch vor dem Frühstück die Fenster geputzt, auch wenn man das am Feiertag nicht machen sollte. Ich glaube, sogar auf den Fenstern waren spuren meiner Backungen zu vernehmen. Denn, wie ich gestehen muss, bin ich eine fürchterlich chaotische Bäckerin. Da sind schon Mal Reste von Mehl und Co. überall verteilt – man kann also gut nachvollziehen welche Wege ich zurück gelegt habe ;) – die dann irgendwann auch wieder weggeputzt werden müssen. Heute also bevor es aufs Neue an die Teigschüssel ging, zuerst mal Platz für neuen Dreck geschaffen.

Und zur Entspannung  – Fensterputzen ist wirklich nicht gerade die angenehmste Haushaltsaktivität – ein paar Portionen Mürbteig gemacht. Vier, um genau zu sein. Denn, der „Glückskeks“ Stempel will ja gleich ausprobiert werden und Mürbteig lässt sich, dankenswerter Weise, gut aufheben. Weil’s mir aber zu langweilig wäre, einfach nur einen ganz normalen Mürbteig zu machen, gibt es jetzt: Marzipan, Schokolade, Nuss und Mohn. Die können jetzt im Kühlschrank ruhen, während wir uns bei Freunden zum Kochen treffen. Alleine ruht es sich auch viel angenehmer, wenn nicht alle paar Minuten das Licht im Kühlschrank angeht und jemand darin herumkramt und dann womöglich auch noch auf dem Teig herumtätschelt um zu prüfen, ob er denn schon fest genug ist. Ja, so ein Mürbteig, der hat’s nicht leicht. Ist aber in der Zubereitung eine Wonne. Den Teig zwischen den Fingern kleben zu haben und durch, mehr oder weniger liebevolles, Kneten den perfekten Teig zu bekommen, das ist pures Glück.

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Zutaten – Marzipanteig

  • 230 g Mehl
  • 150 g Sanella
  • 100 g Marzipan-Rohmasse
  • 50 g Zucker
  • 1  Vanillezucker
  • 1 Eigelb
  • 1 Prise Salz

Zutaten – Schokoladenteig

  • 250 g Mehl
  • 125 g Sanella
  • 125 g Zucker
  • 1 Ei
  • 4 El Kakao

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Zutaten – Nussteig

  • 250 g Mehl
  • 1 Tl Backpulver
  • 125 g Sanella
  • 150 g Zucker
  • 1 Ei
  • 200 g gemahlene Haselnüsse
  • 1 Vanillezucker

Zutaten – Mohn-Marzipan-Teig

  • 25o g Mehl
  • 125 g Sanella
  • 125 g Zucker
  • 1 Ei
  • 20 g Marzipanrohmasse
  • 4 El gemahlener Mohn
  • 1 Tl gemahlener Zimt

Zubereitung

Die Zubereitung ist bei allen Teigen gleich. Alle Zutaten zu einem glatten Teig verkneten – zuerst mit den Knethaken des Handmixers und dann mit denn Händen. In Frischhaltefolie gewickelt mindestens 1 Stunde kalt stellen.

Den Teig circa 5 mm dick ausrollen. Mit dem „Glückskeks-stempel“ in genügend Abstand stempeln und dann mit einem Ausstecher – 7 cm Durchmesser – Kekse ausstechen. Diese auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und bei 175 Grad Ober/Unterhitze circa 12-15 Minuten backen. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Die Kekse halten sich circa vier Wochen.


Tag 5

Wer will denn bitte an einem Sonntag um 7:00 aufstehen? Und das als begeisterte Langschläferin… was tut man nicht alles, um dem eigenen Ziel gerecht zu werden. Da steht man sogar am Sonntag um 7:00 auf um den Tag gleich mit backen zu beginnen. Der gestern so liebevoll zubereitete Teig, hat sich leider als nicht so liebevoll herausgestellt… Das war eine fürchterlich klebrig Angelegenheit, aber mit ein bisschen Mehl lässt sich das ja Gott sei Dank alles beheben. Vielleicht hätte dem Teig ein bisschen tätscheln doch ganz gut getan. So ganz ungestört wollte der Teig wohl einfach nicht die ihm bestimmte Konsistenz einnehmen. Im Fall meiner eigenen Mohn-Marzipan-Zimt Kekse hat es zwar mehr als nur ein bisschen Mehl gebraucht, aber dafür sind die richtig gut geworden. Vielleicht hat aber auch das viele Schimpfen geholfen, dass der Teig nicht mehr am Keksstempel kleben geblieben ist, als würde sein Leben davon abhängen. Den Teig aus dem Stempel zu klamüsern ist keine feine Sache, nur damit ihr das auch wisst. Also immer, immer, immer schön brav ins Mehl stecken und am besten den ausgerollten Teig auch leicht mit Mehl bestäuben!!

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Wenn dann zum Mittag auch noch Gäste zum Käsknöpfle essen kommen, hat das alles einen leichten Hauch von Stress. Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen ;) also nebenher noch schnell Apfelmus gemacht und die Wohnung aufgeräumt. Also schon zu Mittag das erste Mal fix und fertig, aber zufrieden. Erstens, weil die Kekse sehr hübsch geworden sind. Zweitens, weil randvoll mit Käsknöpfle und gut unterhalten von den Gästen.

Nach so einem unterhaltsamen Tag machen sich die Chili-Schoko-Kekse fast von alleine. Auch wenn der Backofen erst um 20:00 endgültig ausgeschaltet wurde. Endgültig deshalb, weil der Papa meint dass 777 eine gute Zahl ist und ich deshalb aufhören kann zu backen. Im ersten Moment war ich, Hand-aufs-Herz-ehrlich gesagt, ein bisschen beleidigt. Aber im zweiten Moment war ich doch sehr erleichtert, dass das Backen für diese Woche ein Ende hat. Immerhin sollte auch noch ein bisschen Keks-freude für Weihnachten übrig sein.

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Zutaten

  • 400 g Mehl
  • 2 Tl Backpulver
  • 40 g Kakao
  • 2 Tl Chilipulver/flocken
  • 1 Prise Salz
  • 320 g Sanella
  • 220 g Zucker

Zubereitung

Mehl, Backpulver, Kakao und Chilipulver gut vermischen. Butter und Zucker cremig rühren. Mehlmischung portionsweise unterheben und gut verkneten. Den Teig zugedeckt circa 30 Minuten kalt stellen. Aus dem Teig haselnussgroße Kugeln formen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen – mit genügend Abstand. Bei 180 Grad Ober/Unterhitze circa 10 Minuten backen. Auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen und dann Kakao über die Kekse sieben.


Der Tag der Eröffnung…

…war ein voller Erfolg. Lauter lachende Gesichter, zufriedene Freunde, Familie, Geschäftspartner und Kunden. Was für ein Segen, wenn man einen Abend lang voller Freude gemeinsam feiern kann. Wenn dann die Kekse auch noch gut ankommen und der Papa und die Oma so richtig stolz sind, dann hat sich die Mühe gelohnt und die Wohnzimmerglückliche erfreut sich Ihrer Talente. Und noch viel mehr erfreut sie sich Ihrer Familie. Ein wahrer Segen, Teil einer großen, schrägen und liebevollen Familie zu sein. Da passen die Glückskekse gleich noch viel besser!

Es grüßt erholt, beseelt und voller Freude,

die Wohnzimmerglückliche