Kärntner Rahmkipferl

Das zweite Rezept, das in der Reihe „Omas Schätze“ ausprobiert werden will, sind die Rahmkipferl aus Kärnten.

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Die sind sozusagen ein Gastbeitrag in Omas Backsammelsurium, und kommen aus ihrem Heimatbundesland. Ja, die Oma die war eine Kärtnerin, die es Gott sei Dank nach Vorarlberg verschlagen hat. Sonst hätte sie wohl nie den Opa kennengelernt und das wäre für mich durchaus fatal. Als ich noch ein „bäääh, frische Milch von der Kuh ist ekelig“ Kind war, sind wir im Sommer hin und wieder in den Hinterwinkel gefahren. Den Ort, an dem die Oma aufgewachsen ist. Ein wirklich Idyllischer Ort im allerletzten Winkel Kärntens, mit einem großen Bauernhof und einem ganzen Haufen fast-verwandter, halb-verwandter und interessanter Leute. Das war Urlaub am Bauernhof vom feinsten.

Im Heustadel herumhüpfen, beim Stall ausmisten angewidert die Nase rümpfen und der Hermi beim backen zusehen. Nicht zu vergessen, der abenteuerliche Auf und Abstieg über die wohl steilste Treppe der Welt. Und dass der Papa extra jeden Morgen die knapp sieben Kilometer in den nächsten Ort gefahren ist, um mir Milch im Tetrapack zu kaufen, hat den Urlaub noch viel besonderer gemacht. Erst Jahre später hat er mir gestanden, dass das alles bloße Lügen waren und er lediglich jeden Morgen die frisch gemolkene Milch in einen Tetrapack umgefüllt hat, damit das Kind kein Theater macht… Ein Haufen guter Erinnerungen also, die durch dieses Rezept wieder wach werden. Denn, das Rezept ist ursprünglich von Helgas Mama. Und die Helga, das war die Freundin vom Konrad und der wiederum war der Sohn von der Hermi, und die war irgendwie mit meiner Oma verwandt. Und obendrein das Familienoberhaupt im Hinterwinkel. Leider gibt es niemanden mehr, der diese familiären Rätsel lösen kann. Der Forscher in mir wird sich damit wohl trotzdem noch ein Weilchen auseinandersetzen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

In der Zwischenzeit wird gebacken und sich darüber gefreut, dass man nach bald 30 Jahren, aus einem Backbuch, immer noch vieles über die eigene Familie erfahren kann. Die wichtigste Erkenntnis aber ist die, dass Menschen die man im Herzen trägt, nie wirklich verschwinden. So habe ich in den letzten Tagen, in meiner Funktion als backverrückte Ahnenforscherin, sehr viel Zeit mit meinen Großeltern verbracht und damit ein kleines Stückchen mehr zu mir selbst gefunden. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie das Kind in mir vor Freude gehüpft ist ob all der abenteuerlichen Erinnerungen.

Jetzt aber schnell zu den Kipferln, bevor ich noch zu sentimental werde. Ich habe mich, weil der Wohnzimmerglückliche Mohn so gerne mag und er die Kipferl ja auch essen muss, dafür entschieden anstatt der Nussfüllung eine Mohnfüllung zu machen. Und ein paar habe ich einfach mit Marzipan gefüllt, weil ich das so gerne mag. :)

Weil sie so gut zu dem alten Rezept passt, gerade Auer Dult war und ich nicht widerstehen konnte, bin ich jetzt Besitzerin einer traumhaft schönen Kekszange.

Die Kipferl sind einfach umwerfend gut. Auch wenn ich mich dazu entschieden habe, lieber kleine Delfine zu backen. Kipferl kann ja jeder ;)

Lasst es euch schmecken,

die Wohnzimmerglückliche


Zutaten

Kipferl

  • 250 g Margarine (z.b. Sanella)
  • 250 g Mehl
  • 1 Ei
  • 1/16 l Sauerrahm
  • 1 Prise Salz
  • 1/2 Packung Backpulver

Zucker, Vanillezucker und Zimt zum wälzen

Füllung

  •  175 ml Milch
  • 60 g Zucker
  • 5 g Vanillezucker
  • 1 g Zimt
  • abgeriebene Schale von 1/4 Zitrone
  • 100 g gemahlener Mohn
  • 25 g Grieß

Zubereitung

Mehl mit Backpulver vermischen und in eine Rührschüssel sieben. Mit der Margarine gut abbröseln, dann salzen. Den Sauerrahm mit dem Ei verrühren, auf die Mehl-Margarine-Brösel geben und mit den Knethaken des Mixers verkneten. Wenn der Teig zu sehr klebt, noch ein bisschen Mehl zugeben. Den Teig zugedeckt eine halbe Stunde ruhen lassen.

In der Zwischenzeit die Milch mit Zucker, Vanillezucker, Zimt und Zitronenschale aufkochen. Mohn und Grieß einrühren und nochmal aufkochen lassen. Auskühlen lassen.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen. Wenn der Teig dann immer noch zu sehr klebt, so lange Mehl zugeben, bis er sich gut verarbeiten lässt. Alternativ in einem aufgeschnittenen Tiefkühlbeutel ausrollen.

Mit einem Teigrädler Vierecke ausschneiden und mit der Mohnmasse befüllen. Kipferl formen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.

Im Vorgeheizten Backofen bei 160 Grad circa 15 Minuten goldbraun backen. Sofort nach dem backen in Zucker-Zimt-Vanillezucker Mischung wälzen. Auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen.

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