Meringues

…oder wie ich noch immer auf die prophezeite Vergiftung warte.

Wenn draußen der erste Herbststurm tobt und ein freier Vormittag zur Verfügung steht, gibt es doch nichts schöneres, als Meringues zu backen. Da sind dann auch die drei Stunden im Backofen ein Segen, weil sie das Wohnzimmer in einen wohlig warmen, nach Zucker duftenden Ort verwandeln. Zugegebenermaßen liebe ich auch diese Seite des Herbstes, allein schon deshalb, weil man bei diesem Wetter mit gutem Gewissen im Wohnzimmer bleiben kann. Und wenn dann auch noch drei Eiweiße im Kühlschrank darauf warten verarbeitet zu werden, gibt es eben Meringues.

Meringues und ich, wir haben schon lange eine sehr intensive Beziehung miteinander. Denn schon als Kind hätte ich mich, wenn man es mir erlaubt hätte, ausschliesslich von ihnen ernähren können. Leider haben mir meine Patentante und meine Mutter stets versucht einzureden, dass ich irgendwann eine Vergiftung erleiden werde, wenn ich mich weiterhin mit den Meringues vollstopfe. Konnte ich damals nicht verstehen. Wo wir doch extra in die Schweiz gefahren sind um „im Lädele“ Süßkram zu kaufen. Und, was für mich am aller wichtigsten war, diese Meringues. Allein das Bild bringt mich sofort zurück zu meinem fünfjährigen Selbst, das sich am liebsten die ganze Schachtel auf einmal einverleibt hätte. Und, wie ihr euch vielleicht denken könnt, habe ich das auch meistens gemacht. Die prophezeite Vergiftung ist allerdings nie eingetreten, lediglich der ein oder andere Zuckerschock. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dass man Meringues auch selber machen kann, habe ich dann von meinen drei Backvorbildern gelernt. Die Oma, der Papa und die Maria waren eben auch schon immer der Meinung, dass man keine Lebensmittel wegschmeißen soll. Bei manchen Backwaren bleiben die Eiweiße aber einfach übrig. Die Oma hat die Meringue im Winter immer im Kachelofen getrocknet, das waren mit Abstand die besten. Und der Papa und die Maria haben, in Ermangelung eines Kachelofens, eben den Backofen genutzt. Aber auch da gibt es die unterschiedlichsten Herangehensweisen. Die Temperatur, die Trockenzeit, all das ist mehr als diskutabel und jeder hat seine eigene Art und Weise. Da gibt es die „über Nacht trocken Methode“ auf niedrigster Temperatur. Oder die „in zwei Stunden trocken Methode“ bei circa 100 Grad.

Also alles nicht so einfach mit den Meringues. Und wenn sie dann auch noch unter verschiedenen Namen auftreten, ist die Verwirrung oft groß. Bei der Oma hießen sie Baisers, bei der Maria Schümmle und beim Papa Meringues. Aber egal wie man sie nun nennt, sie schmecken einfach vorzüglich. Am besten mit ganz viel Schlagsahne, oder Karamell-Eis. Damit der Zuckerschock auch so richtig zum tragen kommt. ;)

Es wünscht euch eine zuckerhaft, zauberhafte Woche,

die Wohzimmerglückliche


Zutaten

Weiße Meringues

  • 35 g Eiweiß
  • 1 Prise Salz
  • 35 g feiner Zucker
  • 35 g Staubzucker

Violette Meringues

  • 47 g Eiweiß
  • 1 Prise Salz
  • 47 g feiner Zucker
  • 47 g Staubzucker
  • Lebensmittelfarbe violett

Zubereitung

In einer absolut fettfreien Edelstahlschüssel, Eiweß – mit Salz – so lange auf höchster Stufe mixen, bis eine Schnittfeste Masse entsteht. Dann den Zucker portionsweise (Teelöffel) einrühren. Nach jeder Zugabe circa 20 Sekunden rühren. Bei den violetten Meringues, die Lebensmittelfarbe mit dem Zucker vermischen. Bei der Lebensmittelfarbe darauf achten, dass sie keine unverträglichen Stoffe enthält. Ich verwende am liebsten natürliche Farben, die sind meistens nicht so leuchtend wie die anderen, aber man kann das Backwerk dann mit gutem Gewissen essen.

Ist der ganze Zucker verarbeitet, den Staubzucker portionsweise auf die Masse sieben und mit einem Kochlöffel unterheben. Dabei entsteht eine kompakte Masse, die sich leicht in den Dressiersack füllen lässt.

Bei Meringues nehme ich am liebsten einen Einweg-Dressiersack, da es sehr mühsam ist die restliche Zuckerpampe aus dem abwaschbaren Dressiersack zu schrubben. Und die guten Tüllen lassen sich, dank Adapter, auch dort einsetzen. Denn auf die passende Tülle kommt es hier wirklich an. Am liebsten verwende ich die von Kaiser, in diesem Fall eine Kronentülle (15 mm). Aber auch hier gilt wieder, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Meringues können in jeder Form, die gefällt, hergestellt werden. Je nach Lust und Laune.

Ist die passende Tülle gefunden, Meringue-Masse in den Dressiersack füllen und die gewünschte Form auf ein Backblech spritzen. Bevor sie in den Backofen kommen, ruhig 30 Minuten bei Raumtemperatur antrocknen lassen. Den Backofen auf 80 Grad vorheizen und die Meringues dann crica 3 Stunden trocknen lassen. Die letzte halbe Stunde den Backofen einen Spalt offen lassen – ich bastle mir einfach einen Keil aus Alufolie, damit der Backofen nicht zu weit offen bleibt.

Die Meringues auf einem Kuchengitter abkühlen lassen und mithilfe eines Pinsels mit Goldstaub verzieren.

Wenn welche übrig bleiben sollten, dann ab damit ins Keksglas. Da halten sie sich ein paar Tage frisch – die gefärbten weniger lange- und sehen noch dazu sehr dekorativ aus.

Mürbteigherzen

…oder wie die Wiesn ins Wohnzimmer Einzug hielt.

Den Kater so halbwegs überwunden, gibt es heute Wiesn-Kekse. Denn wer sagt, dass es immer nur Lebkuchenherzen geben soll zur Wiesn Zeit? Wo doch Mürbteigkekse so viel besser schmecken und genauso hübsch verziert werden können. Die Idee, Wiesn-Kekse zu backen kam mir gestern bei unserem spontanen Aufenthalt im Marstallzelt. Umgeben von all den Herzen und beseelt vom Bier, wollte ich am liebsten sofort loslegen. Der Griff zu einer weiteren Maß war dann aber doch naheliegender und somit wird erst heute wieder gebacken. Das Marstall ist übrigens einen Besuch wert. Sehr gemütlich, gutes Essen, nettes Personal und der Chef höchst selbst zieht durch die Reihen und freut sich über Komplimente seiner Gäste. Zumindest beim ersten mal.

Aber jetzt wieder zu den Keksen. Trotz meiner recht ausgeprägten Weihnachsstimmung, die mich jedes Jahr schon im September überkommt, ist es doch noch viel zu früh um Weihnachtskekse zu backen. Das sehe sogar ich ein, auch wenn ich der Meinung bin es sollte das ganze Jahr über Weihnachten sein. Zumindest was Kekse und Musik betrifft, aber das ist eine andere Geschichte. Tarnt man besagtes Backwerk aber als Wiesn-Kekse, dann fällt es niemandem auf und ich komme auch so zu einer Portion vorweihnachtlicher Keksfreude.

Gesagt, getan.

Schnell im neuen Backbuch – Handbuch Backen von Teubner – nach einem Mürbteig Rezept gesucht. Schließlich muss gleich überprüft werden, ob das Buch auch wirklich hält was es verspricht. Die Blau-weißen Zuckerperlen aus der Schublade gekramt – danke liebe Kathi, dass du die für mich gekauft hast. Und schon kann es losgehen, denn sogar mit nur mehr einem Ei im Kühlschrank lassen sich die guten, alten „Ausstecherle“ backen.

Oktoberfestliche Grüße,

die Wohnzimmerglückliche


  Mürbteig

  • 200 g Mehl
  • 100 g Butter
  • 50 g Staubzucker
  • 1 Eigelb

Mehl auf die Arbeitsfläche sieben, in die Mitte eine Mulde drücken. Butter in Stücke schneiden und mit dem Staubzucker in die Mulde geben. Eigelb dazugeben und dann kurz mit der Teigkarte vermengen. Rasch mit den Händen zu einem glatten Teig kneten. In Frischhaltefolie wickeln und mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen.

Inzwischen entweder was Gutes lesen, fernsehen oder die Wohnung aufräumen. An einem Nach-Wiesn-Tag ist Option zwei eindeutig die beste. Drum heißt es jetzt erstmal ab auf die Couch.

Nach der kleinen Pause den Ofen auf 170 Grad vorheizen, den Teig zwischen zwei Tiefkühlsäcken – am besten aufschneiden – ausrollen. Herzen ausstechen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und circa 12 Minuten backen.

Für die Zuckerglasur ein bisschen Staubzucker mit Wasser verrühren und mit einem Silikonpinsel auf die Kekse streichen. Nach Lust und Laune mit Blau-weißen Zuckerperlen bestreuen und über Nacht auskühlen lassen. Dann am besten gleich verputzen oder in einer Keksdose aufbewahren.